Social Stalking

[Ein Bericht von Lina Ruth & Serra Seber, Jg. 9]

Sie starrte auf ihr Handy. Die Nachricht „Ich wusste gar nicht, dass DU das bist“ ließ sie erstarren. Schon seit gestern, als er zufällig auf ihr Handy geguckt hatte, hatte sie die Vermutung, dass er es wusste. Er musste den Namen ihres Fake-Accounts gesehen haben; anders konnte sie es sich nicht erklären. Dass er bemerkt hatte, dass sie mehr über ihn hatte erfahren wollen, war gar nicht gut. Er sah gut aus, keine Frage, aber er war ein Arsch und mit so einer Person wollte sie eigentlich nichts zu tun haben. Und nun sah es ganz so aus, als müsste sie ihn entweder ignorieren oder ausführlich mit ihm sprechen. Beides wäre etwas, was ihr nicht gefallen würde, doch daran musste sie sich nun gewöhnen. Eins war ihr aber auch klar: Nur weil sie einmal aufgeflogen war, hieß es nicht, dass sie nie wieder auf Instagram und Co. die Profile anderer Leute checken würde, vielleicht wäre sie es aber dann so schlau, sich nicht wieder erwischen zu lassen.

Hat nicht jeder von uns eine „Stalker“-Seite an sich?

Mit großer Wahrscheinlichkeit hat jeder schon mal das Profil einer fremden Person auf Instagram, Twitter oder anderen Seiten angeguckt. Damit fängt es an. Profile „durchzustalken“ wird immer normaler. Beispielsweise „stalkt“ man jemanden der gut aussieht oder den man flüchtig kennt. Klingt sehr oberflächlich, ist aber wahr. Und trifft übrigens sowohl auf Mädchen und auf Jungs zu. Das ist etwas, was wohl kaum einer abstreiten kann. Nach einer Weile entwickelt man Strategien, Pläne und Taktiken, wie zum Beispiel mit Freunden Accounts zu tauschen, um zu vermeiden, dass man eventuell doch erkannt wird. Das Tauschen von Accounts ist auch dann hilfreich, wenn man auf einen privaten Account stößt, denn dort muss man erst einmal angenommen werden, was um ehrlich zu sein, auch nervt. Man kann auch ganz einfach einen „Fake-Account“ erstellen, mit dem man ganz unbesorgt Leuten Anfragen schicken kann, ohne erkannt zu werden. Aber natürlich ist das alles nicht so einfach, den sobald einer deinem Account folgt, könnte aufliegen, dass ausgerechnet du einen Fake-Account nutzt. Denn obwohl viele einen solchen Account haben, schämen sich die meisten für diesen.

Scham ist auch überhaupt der Grund, warum es solche Accounts gibt, man könnte nämlich doch auch einfach sein normales Profil benutzen oder die Person persönlich ansprechen. Warum tun wir dies nicht? Es ist uns doch allen klar, dass wir selbst nicht die einzigen mit „Stalker“-Accounts sind. Die Antwort ist wohl von Person zu Person unterschiedlich, aber die meisten möchten wohl einfach nur mehr über den Menschen erfahren und ihre Neugierde stillen. Ob es nun wirklich etwas bringt, ist fraglich, aber wenn es überhaupt keinen Nutzen hätte, würden es wohl nicht so viele machen. Es ist verständlich, dass man nicht unbedingt möchte, dass der andere von dem „Stalking“ weiß und sich möglicherweise bedrängt fühl. Oder vielleicht zu viel in die Sache hinein interpretiert, was zu unangenehmen Situationen führen kann, wenn man die betroffene Person persönlich kennt. Andererseits: Wenn ihr merkt, dass eine Person euer Profil durch sieht und mehr von euch zu erfahren versucht, möchtet ihr natürlich auch wissen, wer dies ist, und guckt euch das andere Profil genauestens an. Das wäre dann ein Fall von „Zurück-Stalken“.

Ist das alles schlimm? Solange aus dem „Stalking“ kein echtes Stalking, also das Verfolgen oder Belästigen einer Person, wird, muss dies jeder für sich entscheiden. Verboten ist es nicht, aber wenn es rauskommt, ist es zwischenmenschlich gesehen nicht unbedingt vorteilhaft.

 

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