Love, made in California

[Eine Betrachtung von Zoe Sundergeld]

Unsere Vorstellungen von Liebe sind stark von Kalifornien beeinflusst.  Das liegt vor allem an den vielen Songs, Serien und Hollywoodfilmen, die in dem US-amerikanischen Bundesstaat spielen. Oft enden sie mit einer Liebesszene unter der Sonne Kaliforniens.
Wie in der romantischen Komödie „Die nackte Wahrheit“. Hier spielt Katherine Heigl eine TV-Produzentin, die hohe Ansprüche an den seit langer Zeit gesuchten idealen Mann. Sie ist hin und hergerissen zwischen zwei Männertypen: Ihrem freundlichen Nachbarn und ihrem etwas vulgären, aber draufgängerischen Kollegen, der in der Sendung mit vulgärem Humor Frauen und ihre Beziehungen analysiert. Nach einigem Wendungen findet sie am Ende ihren Traummann und spaziert mit ihm in Malibu Beach dem Sonnenuntergang entgegen. Diesen Typ Story gibt es vielen Filmen, die in Hollywood und Umgebung spielen: Der Zuschauer weiß, dass die beiden Hauptdarsteller zusammengehören, und schaut ihnen dabei dazu, wie sie sich erst nicht leiden können, dann aber endlich zusammenfinden.

Es gibt sie auch als Musical, zum Beispiel im oscarprämierten Musical-Drama „La La Land“. Hier versuchen Emma Stone und Ryan Gosling als zwei aufstrebende Künstler ihre Karrieren und ihre Liebe zusammenzubringen. Besonders schön ist der erste gemeinsame Tanz vor dem Griffith Observatory in Los Angeles. Rund um die Sternwarte werden immer wieder Liebesszenen gedreht.

Manchmal muss sich das Paar auch erst mal auf den Weg nach Kalifornien machen, um dort seine Liebe zu entdecken. Wie in True Romance, wo Christian Slater und Patricia Arquette als frisch vermähltes Paar durch eine Aneinanderreihung von blöden Zufällen von der Polizei und der Mafia gejagt wird. Am Schluss küssen sie sich in ihrem Fluchtauto am Strand von Kalifornien. Wo sonst?! Hier wird Kalifornien endgültig zum Sehnsuchtsort für die Verwirklichung der Liebe.

Besonders der von der Sonne jederzeit beschienene Strand der US-Westküste nimmt durch die vielen Zitate in Filmen, Serien und TV-Spots in unserer Vorstellung von Liebe eine wichtige Rolle ein. Im deutschen Fernsehen lief beispielsweise ein TV-Spot für das Abnehm-Produkt „Almased“. Darin joggt eine für Hollywood-Verhältnisse leicht übergewichtige Frau in einem gelben Bikini mit ihrem ebenfalls rundlichen Boxer an diesem Strand entlang. Auch die jüngeren Männer in Badehose schauen ihr anerkennend und etwas verliebt nach, bevor sie sich in ihrem Strandhaus einen Schluck Almased genehmigt. In einer Fortsetzung dieses Spots heiratet sie dann sogar unter dem Logo des Abnehmdrinks.

Das zeigt auch, wie eingeschränkt und problematisch diese Vorstellung von traumhafter Liebe unter der Sonne Kaliforniens ist. Denn dieser Spot und viele andere Filmszenen legen nahe: Nur wer den richtigen Body-Mass-Index hat, darf an der „Love made in California“ teilnehmen. Daher sollte sich jeder bei der Suche nach echter Liebe darüber im Klaren sein: Hollywood ist eine Traumfabrik. Und so schön die Liebe dort auch dargestellt wird, sie hat weniger mit der Wirklichkeit zu tun, als mit unseren Träumen.

Foto: Flickr (Chris Goldberg)

 

 

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