Wie viel Chemie ist in der Liebe?

Es ist eine alte Frage, die immer wieder gestellt ist: Ist es echt Liebe oder sind es nur die Triebe?

In der TV-Serie „Weissensee“, die in der ehemaligen DDR der 80-er Jahre spielt, verliebt sich Martin, der Sohn eines Stasi-Offiziers, ausgerechnet in Julia, die Tochter einer regimekritischen Sängerin. Als dieser das seiner Familie eines Abends offenbart, ist sein Vater entsetzt und verbietet ihm den Umgang mit „dieser Feindin dieses Hauses“.  Unbedingt will er ihn davon abbringen, Julia weiter zu treffen, und sagt: „Du denkst jetzt vielleicht, das ist Liebe, mein Sohn. Aber in Wirklichkeit ist es nur Chemie: Enzyme und Hormone. Sie spielen dir etwas vor.“
Damit meint der Vater zum Beispiel den Botenstoff Serotonin, der direkt in den Hirnregionen wirkt, in denen Gefühle entstehen. Wer wie der verliebte Martin zuviel davon hat, fühlt sich zufrieden, ist motiviert und möchte die ganze Welt umarmen. Der Serotonin-Spiegel lässt sich durch Schokolade, Ananas, Bananen oder Erdbeeren erhöhen. Oder laut US-Forschungen eben durch Verliebtheit. Wird die Liebe wie bei Martin und Julia erwidert, springt das Glückshormon Dopamin auf das limbische System an und versetzt uns damit für leidenschaftliche Momente zurück in prähistorische Zeiten. Dopamin sorgt bei Männern dafür, dass sie auf neue Reize mit sexuellem Verlangen reagieren. Dann produzieren sie Testosteron, das wichtigste männliche Sexualhormon, das Muskeln und Geschlechtsteile wachsen lässt.

Natürlich setzt sich der Sohn in Weissensee über das Verbot des Vaters hinweg. Noch am selben Abend stürmt er in die Wohnung seiner Freundin. Bei beiden löst die körperliche Nähe Endorphine aus. Diese körpereigenen Opiate machen sie schmerzunempfindlich und high. Bei Untersuchungen beschrieben Probanden auch, dass sich der Geist „aus dem Körper löst“ und sie sich selbst aus der Distanz erleben. Martin und Julia fühlen sich dadurch schmerzfrei, euphorisch und glücklich. Beim gemeinsamen Sex stoßen sie außerdem Oxytocin aus. Das Enzym sorgt für den Wunsch nach Zärtlichkeit, Geborgenheit sowie körperlicher und geistiger Nähe. Laut einiger Studien ist das Enzym letztendlich dafür verantwortlich, dass Paare zusammen bleiben. Und später Kinder bekommen. Einige Monate später sorgt Östrogen, das wichtigste weibliche Sexualhormon, für die Reifung der Eizellen. Aber das ist eine andere Geschichte, bei der die Chemie des Körpers bei unseren romantischen Erlebnissen die Strippen zieht.

[von Zoe Sundergeld, Foto: ARD]

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